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Trotz Konkurrenz des Fussball-WM-Spiels im fernen Brasilien und auf heimischen Bildschirmen begaben sich am 20. Juni über 30 Personen zur Haltestelle St. Urban Ziegelei, um Tiere mit gelb-schwarzen Bäuchen zu entdecken. Verein Smaragd-Gebiet Oberaargau, Pro natura Oberaargau, WWF Bern und Verein Lebendiges Rottal hatten dazu eingeladen, die europaweit gefährdeten Gelbbauchunken samt ihren Lebensräumen besser kennen zu lernen.

 

Froschähnliches Tier in der „Glungge“

Die Gelbbauchunken scheinen anspruchslos: Ein kleiner Tümpel, ein quadratmetergrosses Wasserbecken im Garten, wassergefüllte Fahrspuren im Wald, ein Absetzbecken in der Lehmgrube: In diesen bescheidenen Gewässern können Gelbbauchunken für Nachwuchs sorgen. Und auch darauf warten, bis in der Nähe eine neue „Glungge“ entsteht, den ihre Feinde – zum Beispiel die Bergmolche – noch nicht entdeckt haben. Trotzdem ist diese Art in der Schweiz und in Europa stark gefährdet. Denn unterdessen sind in der Schweiz die meisten Wege asphaltiert oder gut befestigt, zu Vernässung tendierende Stellen wurden vor Jahrzehnten aufgefüllt und die Unken bleiben, samt ihren Lebensraumansprüchen, praktisch unbekannt.

Aug in Aug, mit herzförmiger Pupille

Der Rundgang um die Haltestelle St. Urban Ziegelei (Gemeine Roggwil BE) zeigte, wie engagierte Leute vor Ort den Unken auf ganz unterschiedliche Weise helfen können. Zuerst führte Werner Stirnimann, Projektleiter im Smaragd-Projekt Oberaargau, die Teilnehmenden ein paar Schritte weg von der Haltestelle zur Grenzpfad-Infotafel „Ziegelherstellung“ und wies auf das jahrhundertelange Bestehen der Roggwiler Lehmgrube hin. Hier leben denn auch Dutzende, wenn nicht Hunderte von Gelbbauchunken, jedoch auf unzugänglichem Werkgelände. Im Gegensatz dazu ist ein kleiner Lehmtümpel in der Nähe der Grenzpfadtafel frei einsehbar und meist von Unken bewohnt. Und tatsächlich gab es hier beim Rundgang bereits das erste Tier dieser Art zu entdecken. Dies sei die wohl bequemst zugängliche Stelle, um die Unken aus nächster Nähe zu Gesicht zu bekommen, sagte Stirnimann. Etwa einen Kilometer auf dem Grenzpfad Richtung Langenthal müsse hingegen wandern, wer die Unken im Wald entdecken wolle (Nähe Grenzpfad-Tafel „Leben auf dem Lehm“). „Jöh, die hat ja herzförmige Pupillen!“, meinte indes eine Teilnehmerin nach einem Blick ins Einmachglas mit kurzzeitig gefangener Unke drin.

Vielfältiges Engagement

Auch dreihundert Meter weiter Richtung Roggwil gab es am Rand einer Hecke drei Unken-Kleinstgewässer zu entdecken. Sie wurden im Rahmen des Smaragd-Projekts durch den Roggwiler Landwirt Hanspeter Lanz erstellt, der die Tümpelgruppe den Interessierten auch gleich selber vorstellte. Weit weniger gut zu finden sind die Smaragd-Tümpel auf der anderen Seite der Rot, im eigentlichen St. Urban LU. Hierhin führte Manfred Steffen, Präsident des Vereins Lebendiges Rottal die Teilnehmenden und erzählte, dass der Verein Lebendiges Rottal speziell rund um den Trübelbachweiher seit vielen Jahren Tümpel für die Unken anlege. Mit Glück könne auch rund um dieses Naturidyll die eine oder andere Unke entdeckt werden. Ohne Zweifel der Höhepunkt des Abends war der Besuch in zwei Privatgärten in der Nähe der Haltestelle Ziegelei: Hier haben zwei Einfamilienhausbesitzer für die Unken kleine Wasserstellen angelegt. Zur Verwunderung der Teilnehmenden lebt im einen Becken eine ganz Unkenkolonie, in dieser Ausprägung wohl einmalig in der Schweiz!

Alle sind Gewinner

Privatpersonen, Landwirte, Umweltorganisationen und auch die Burgergemeinde Roggwil engagieren sich rund um St. Urban Hand in Hand für die bedrohten Gelbbauchunken. Dass sich nicht nur Vertreter verschiedenster Gruppierungen, sondern auch Kinder und Jugendliche am Rundgang sowie am anschliessenden Apéro mit Produkten aus der Region erfreuten, könnte für die Förderung dieser Art wegweisend sein. Der Blick ins Internet zeigt zudem, dass es vielfältige Möglichkeiten gibt, sich für die Unken und weitere Arten ins Zeug zu legen. Seit neustem engagiert sich auch die Roggwiler Bäckerei Zulauf (www.beck-zulauf.ch) als Sponsorin für die Smaragd-Arten. Neben der „Smaragd-Schoggi“ sind hier auch Regionalprodukte erhältlich, unter anderem aus lokalen Erzeugnissen von Landwirten, welche Unken-Tümpel pflegen. Ein ganz und gar schönes Spiel, bei dem es im Gegensatz zur Fussball-WM nur Gewinner gibt.


Werner Stirnimann

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